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Maurice Martenot

Hendrik Herchenbach_Foto_von_Jörg Singer_Web.jpeg

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Maurice Martenot (1898-1980) eines der ersten elektronischen Musikinstrumente, die Ondes Martenot (Martenot Wellen). Sie wurden 1928 in der Pariser Oper erst­mals öffentlich präsentiert und haben, im Gegensatz zu vielen anderen frühen elektronischen Instrumenten, Eingang in das klassische Orchesterinstrumentarium, die Filmmusik und auch populäre Be­reiche gefunden.

Martenot sah die Grenzen herkömmlicher Musikinstrumente. Er empfand den elektronischen Klang als neue Ausdrucksmöglichkeit und die technischen Mittel als Weg, um die Begrenzungen herkömmlicher Instrumente zu überwinden. Als studierter Violoncellist mit den Kenntnissen eines Ingenieurs stand für ihn die Formbarkeit des Klangs und die Expressivität im Zentrum und musste auch mit einem elektronischen Instru­ment herstellbar sein. …

Von besonderem Interesse [ist], dass die Ondes Martenot nicht als bloßer elektronischer Klangerzeuger entwickelt wurden, sondern ihnen als feste Ausstattung Lautsprechersysteme (Diffuseurs) beiseite gestellt wurden, die spezielle Klangeffekte ermöglichen. Dahinter stand Martenots Idee so­genannte „Multi-Resonatoren“, also komplexe Schwingungssysteme mithilfe von Lautsprecher-Spulen zum Mitschwingen anzuregen und dadurch die klanglichen Eigenschaften der Schwingungs­systeme zu nutzen. …

So erfand er um 1930 einen Lautsprecher, der einen Flachgong als Resonanzkörper benutzte (den „Metallique“) und um 1947 einen weiteren Lautsprecher, der als Multi-Resonator chro­matisch gestimmte Resonanzsaiten verwandte (den „Palme“). ...

Im Gegensatz zu einem Konzept von größt­möglicher Wiedergabetreue von Lautsprechern, verändern die Diffuseurs das eingespeiste Tonmate­rial aktiv und erzeugen mithilfe komplexer Schwingungssysteme eigene Klangqualitäten. Der elektronisch erzeugte Klang wird mit akustischen Mitteln modifiziert!

Dabei werden die neuen technischen Möglichkeiten mit Konzepten des traditionellen Instrumentenbaus zusammengebracht. Akustische Musikinstrumente benötigen zur Verstärkung einen Resonanzkörper, elektronische Instrumente einen Lautsprecher. Martenots Erfindungen vereinigen beide Prinzipien. Diese elektro-akustische Kombination ist historisch nahezu einmalig und fand an dem Übergang von mechanischer zu elektronischer Klang­erzeugung statt.

(H. Herchenbach: Akustische Klangkörper für elektronische Instrumente. 2024)

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